Was ist eigentlich ein Token?
Ein Token ist die kleinste Einheit, mit der ein Sprachmodell rechnet. Probier unten selbst aus, wie Text zu Token wird, warum Deutsch teurer ist als Englisch und wie du sparst.
In einem Satz
Ein Token ist die kleinste Recheneinheit eines Sprachmodells, meist ein Wortstück von etwa vier Zeichen; Kontextgrenzen und Preise zählen in Token, nicht in Wörtern, und wer ein Gefühl dafür hat, plant Prompts und Budgets realistischer.
"Softwareentwicklung." Für dich ist das ein Wort. Für ein Sprachmodell sind es mehrere Bausteine, die es einzeln liest, einzeln verrechnet und dir einzeln in Rechnung stellt. Das englische "software" dagegen kommt oft mit einem einzigen aus.
Diese Bausteine heißen Token, und sie sind der Grund, warum dieselbe Frage auf Deutsch meist mehr kostet als auf Englisch, warum ein einzelnes Emoji teurer sein kann als ein ganzes Wort und warum ein Chat irgendwann vergisst, was am Anfang stand. Am besten verstehst du sie, indem du selbst damit spielst. Ich habe dafür vier kleine Werkzeuge gebaut, mit denen du Text zerlegen, Inhalte vergleichen, Kosten hochrechnen und einen Prompt schrumpfen lassen kannst, und deshalb ist dieser Beitrag kurz und hat viele Regler.
Bausteine statt Buchstaben
Denn Sprachmodelle lesen weder einzelne Buchstaben noch ganze Wörter. Sie zerlegen jeden Text zuerst in Token, kleine, wiederkehrende Bausteine. Ein Token ist oft ein kurzes Wort, manchmal eine Silbe, manchmal nur ein Satzzeichen. Als Faustregel entspricht ein Token etwa vier Zeichen oder rund drei Vierteln eines englischen Wortes.
So kannst du dir das vorstellen: eine Legokiste. Das Modell baut Sprache nicht aus einzelnen Buchstaben und nicht aus fertigen Häusern, sondern aus einer festen Kiste mittelgroßer Steine. Häufige Wörter sind je ein eigener Stein, seltene oder lange werden aus mehreren kleineren zusammengesetzt.
Das probierst du am besten gleich aus. Tippe einen Satz und sieh zu, wie er zerfällt. Jeder farbige Baustein ist ein Token.
Warum Deutsch teurer ist
Die Zerlegung heißt Tokenisierung. Jedes Modell hat ein festes Vokabular aus mehreren zehntausend Token gelernt, den häufigsten Bausteinen seiner Trainingstexte. Wörter wie "und" oder "the" sind je ein einziges Token. Seltene oder lange Wörter werden in bekannte Stücke zerlegt.
Das hat drei Folgen, die dir im Vergleich gleich begegnen. Englisch ist meist sparsamer als Deutsch, weil die Trainingstexte überwiegend englisch sind und deutsche Zusammensetzungen wie "Softwareentwicklung" in mehrere Stücke zerfallen. Zahlen und Sonderzeichen kosten überproportional viel. Und ein einzelnes Emoji kann mehrere Token verbrauchen, obwohl es nur ein Zeichen ist.
Deshalb heißen gleich viele Zeichen nicht gleich viele Token. Klick dich durch die Beispiele und vergleiche, was wie schwer wiegt.
Wo du Token zu spüren bekommst
Und an drei Stellen merkst du Token im Alltag, auch wenn du sie nie zählst.
Beim Gedächtnis. Jedes Modell kann nur eine begrenzte Menge Token gleichzeitig sehen, sein Kontextfenster. Bei modernen Modellen sind das 200.000 bis eine Million Token. Ist das Fenster voll, fällt Älteres heraus, und der Chat vergisst, was ganz am Anfang stand.
Bei den Kosten. Anbieter rechnen pro Token ab, getrennt nach dem, was du schickst, dem Input, und dem, was zurückkommt, dem Output. Der Output ist dabei deutlich teurer, bei den Modellen weiter unten genau um das Fünffache.
Und beim Tempo. Mehr Token bedeuten mehr Rechenarbeit. Kürzere Prompts und knappere Antworten sind spürbar schneller.
Was ein Token kostet
Die Preise werden pro Million Token angegeben, getrennt für Input und Output. Ein Gefühl dafür bekommst du am schnellsten, wenn du selbst an den Reglern drehst.
| Modell | Input je 1 Mio. | Output je 1 Mio. |
|---|---|---|
| Claude Opus 5.5 | 4 USD | 20 USD |
| Claude Sonnet 5.5 | 2 USD | 10 USD |
| Claude Haiku 4.5 | 1 USD | 5 USD |
Die Werte sind Richtwerte in US-Dollar, Stand Oktober 2026. Preise und Modelle ändern sich schnell, die Größenordnung bleibt. Eine typische Chat-Anfrage mit etwas Kontext liegt bei wenigen tausend Token. Teuer wird es fast nie durch die eigentliche Frage, sondern durch das, was mitgeschickt wird: lange Dokumente, ganze Verläufe.
Ballast abwerfen
Token zu sparen heißt deshalb nicht, schlechtere Prompts zu schreiben. Es heißt, den Ballast wegzulassen. Schalte die Strategien zu und sieh, wie der Beispiel-Prompt schrumpft.
Die wichtigsten Hebel sind schnell erzählt. Höflichkeitsfloskeln und Wiederholungen tragen nichts zur Antwort bei. Schick nur mit, was die Antwort wirklich braucht, nicht den ganzen Verlauf. Gleichbleibenden Kontext kannst du bei vielen Anbietern zwischenspeichern lassen, dann zahlst du ihn einmal und danach fast nichts mehr. Und nicht jede Aufgabe braucht das größte Modell.
Der größte Hebel liegt aber am anderen Ende. Weil der Output am meisten kostet, spart eine knappe Formatvorgabe für die Antwort oft mehr als jede Kürzung an deiner Frage.
Zum Weiterprobieren
Wenn du tiefer einsteigen willst, habe ich dir drei Seiten herausgesucht, auf denen du die echte Zerlegung siehst und die aktuellen Preise nachschlagen kannst.